Über
die Autorin
- deutsche Autorin der Romantik,
die später zu einer führenden Vertreterin der Schriftsteller des
revolutionären Vormärz wurde
- 1785-1859, Schwester vom Romantiker
Clemens Brentano und Frau des ebenfalls romantischen Dichters Achim von
Arnim
- die Autorin zeichnete sich durch ein starkes Enga- gement für
die Rechte der Frau, für die Armen und gegen soziale Missstände
in Deutschland aus
- ihre beste Freundin war die Schriftstellerin
Karoline von Günderode (1780- 1806)
Bettina
von Arnim
Armenbuch
Texte-Zusammenstellung
Bettina
von Arnim (1785-1859) war nicht nur eine herkömmliche Dichterin,
sondern sie nutzte ihre Bekanntheit und ihre gesellschaftliche Stellung
auch, um sich öffentlich zu engagieren. Zu engagieren für
die Rechte der Frau, gegen Armut und für die sozial Schwachen.
Sie wuchs von einer romantischen Autorin zu einer progressiven Schriftstellerin
der Literatur des Vormärz heran.
Bereits 1843 veröffentlichte
sie das "Königsbuch", in dem sie sich direkt an den König
wandte und auf Missstände und Not aufmerksam machte. 1844 dann
entstand die Idee zu einem Werk über das Armenwesen, dem sogenannten
"Ar- menbuch".
Für das "Armenbuch" begann
sie Fakten über die Situation der Ärmsten zu sammeln. Von
dem deutsch-schlesischen Fabrikanten Friedrich Wilhelm Schlöffel
bekam sie eine erste Liste mit detaillierten Angaben zu schlesischen
Webern. Nach einem Aufruf in verschiedenen Zeitungen erhielt sie weitere
Listen mit Namen und Zahlen zu deren Einkommen
und Ausgaben, die
deutlich machten, dass oft der erarbeitete Lohn, ohne dazu zu betteln,
nicht zum Nötigsten für das Leben reichte.
Diese Listen
stellte sie zusammen und diese gingen im Mai 1844 in Druck und wurden
teilweise veröffentlicht. Wenige Wochen darauf brach in Schlesien
der Aufstand der Weber los und Bettina von Arnim geriet unter den Verdacht,
dass sie mit ihrer Arbeit mit dazu beigetragen hat, die Weber aufzuhetzen
und somit mitverantwortlich für den Aufstand zu
sein. - Bettina
stellte die Arbeit an dem "Armenbuch" ein.
Das hier jetzt
zu lesende "Armenbuch" ist nicht identisch mit dem, das die
Autorin 1844 erarbeitete. Die damals vorge- sehene Ausgabe war eher
eine Bestandsaufnahme, eine Auflistung von aktuell lebenden Betroffenen,
für die Frau von Arnim dadurch Zuwendung erhoffte, also eher eine
Statistik und kein von der Autorin verfasstes Werk. Die hier vorlie-
gende Ausgabe, herausgegeben von Werner Vordtriede im Insel-Verlag Frankfurt
a. M. 1981, vereint Texte, die rund um das damalige "Armenbuch"
entstanden. Es sind darin Briefe, Zeitungsartikel, Notizen, Bettinas
Bergpredigt, das ge- plante Nachwort zum "Armenbuch" und "Die
Erzählung vom Heckebeutel" von Frau von Arnim enthalten, sowie
weitere Informationen zu diesem Projekt "Armenbuch".
Es
ist eine sehr lesenswerte kommentierte Texte-Zusammenstellung, die Einblick
in das Denken und Engagement dieser außergewöhnlichen Frau
bietet. Es wird deutlich, dass ihr Herz für die Armen und Ausgebeuteten
schlug. Immer wieder setzte sie sich beim König für die Schaffung
eines "Armutsministeriums" ein.
Deutlich wird aber auch,
dass sie gedanklich nicht zu den Wurzeln der Armut vordrang. Sie kratzte
an der Oberfläche, stellte dar, was sie sah, und wollte diese konkrete
Situation helfen zu verändern. Sie erkannte nicht, dass die Ursachen
der Armut der schlesischen Weber in der damals aufstrebenden kapitalistischen
Produktionsweise und dem politischen System Deutschlands selber
lagen. Sie ging, wie Briefe an den König und andere Textdokumente
deutlich zeigen,.davon aus, dass der König nur vom Elend nicht
wüßte, weil er von unfähigen Beratern umgeben war, die
ihm nicht richtig in- formierten. - Sie war also nicht revolutionär
gesinnt. Aber: sehr humanistisch und solidarisch mit den Armen, was
zu je- ner Zeit, in dem Stande, in dem sie lebte, gar nicht selbstverständlich
war. Und dies zeichnet diese Frau auch aus heuti- ger Sicht noch aus.
(26.07.2010)