Über
die Autorin
- deutsche Autorin der Romantik,
die später zu einer führenden Vertreterin der Schriftsteller des
revolutionären Vormärz wurde
- 1785-1859, Schwester vom Romantiker
Clemens Brentano und Frau des ebenfalls romantischen Dichters Achim von
Arnim
- die Autorin zeichnete sich durch ein starkes Enga- gement für
die Rechte der Frau, für die Armen und gegen soziale Missstände
in Deutschland aus
- ihre beste Freundin war die Schriftstellerin
Karoline von Günderode (1780- 1806)
Bettina
von Arnim
Meine
Seele ist eine leidenschaftliche Tänzerin
Zitate-Zusammenstellung
von Otto Betz, Professor für Religionspädagogik
Das Buch ist Etikettenschwindel!
Das Etikett, Titel und Verfasserangabe,
suggeriert, dass dies ein Buch von Bettina von Arnim (1785-1859) sei.
Dies stimmt aber so nicht. Das Buch stammt von dem Professor für
Religionspädagogik Otto Betz (geb. 1927). Zwar greift er für dieses Buch
auf Textausschnitte aus Briefen und Werken Bettina von Arnims zurück,
schafft aber damit etwas völlig eigenes, was so, insgesamt gesehen,
nicht Bettina von Arnim zuzuordnen ist.
Bettina von Arnim war
zeitlebens eine sehr facettenreiche Frau. Auf ihr wirkten viele
Einflüsse ein, die sie und ihr Denken prägten. Wurde sie in ihrer Jugend
sehr von der Kirche, sie wurde in einer Klosterschule erzogen, und
ihren Bruder Clemens geprägt, waren es daneben und später auch die
Berichte von den Ereignissen in Frankreich, Begegnungen mit
verschiedensten Persönlichkeiten, wie auch zB mit Karl Marx und dessen
Frau Jenny, usw. Dieser Facettenreichtum kommt auch in ihren Werken zum
Ausdruck. Die Palette reicht von romantischen Wahrnehmungen und
Empfindungen bis hin zum sozialkritischen "Königsbuch" und dem
"Armenbuch"..
In diesem Buch ist der Fokus aber verengt. Speziell
gezoomt wird auf den christlichen Glauben in ihrem Weltbild. Die Zitate
sind aus den verschiedensten Texten, die bei Bettina von Arnim oft sehr
komplex und vielschichtig sind, einfach herausgerissen worden. Der
Zusammenhang, in dem das Original steht, ist nicht ersichtlich mehr.
Betz versieht jedes Zitat zudem mit einem Titel. Diese Titel sind aber
im Grunde schon Interpretation des Zitats durch den Autor. Das jeweilige
Zitat wäre durchaus aber auch anders deutbar. Es kommt auf den
tatsächlichen Zusammenhang an, in dem Bettina es gebrauchte, um es auf
ihre Person hin angemessen zu interpretieren. - Betz hat zwar ein
Quellenverzeichnis beigefügt, aber wer hat schon diese Ausgaben, auf die
er sich bezieht, um entsprechend nachzuschlagen und nachzuprüfen, zur
Hand. Zudem stammen viele Zitate aus Briefwechseln privater Natur, die
als solche nicht so ohne weiteres nachprüfbar sind. - Ein weiteres
Manko: Er zitiert sowohl aus privaten Dokumenten als auch aus
Briefromanen. Die Briefromane sind aber poetische Werke, speziell zu
diesem Zweck bearbeitete. Die Verwertung und Bewertung solcher Zitate
müsste man unter diesen Gesichtspunkt auch stellen, was hier aber nicht
geschieht. Es ist alles durcheinander gewürfelt.
Ich habe mal ein Beispiel herausgegriffen:
Im
Kapitel "Alles Leben ist Flamme des erschaffenden Geistes - vom Geist"
ist das Zitat Nr. 185:: "Wer den Geist der Wahrheit einatmet, wie sollte
der ihn nicht auch aushauchen." zu finden. Betz hat diesem Zitat, das
aus dem Briefroman "Die Günderode" stammt, den Titel "Der Geist als
Atem" gegeben. - Der Titel, vorgegeben, wie gesagt, durch den
Herausgeber dieses Buches, ist aber schon Bewertung und Interpretation.
Interpretation Betz'. Es ist nicht zwingend herleitbar, sondern nur
subjektiv. - Eine mögliche Interpretation wäre zB auch, da Bettina eine
sehr denkende Frau war, die auch bestrebt war Zusammenhänge zu erkennen,
dass hier Geist als Allegorie für das Denken steht, wie zB in
Geisteswissenschaften als Begriff, und das Ganze eine poetische Metapher darstellt. Diese
Metapher könnte man dann
so auflösen,
dass Denken und Nachdenken zum Erkennen von Wahrheit(en) führt und wenn
man diese Wahrheit(en) erkannt hat, diese auch in seinem Handeln dann
umsetzt. - Hier meine ich zB auf ihr soziales Engagement hin gesehen,
dass bei ihr auch schon in recht frühen Jahren ausgeprägt war und daher
durchaus auch in die Briefwechselzeit mit der Günderode (1804 bis 1806)
passt.
Betz gibt nicht Bettina von Arnim unverfälscht heraus, sondern
zurechtgebogen, damit sie, die sich immer dagegen wehrte eingeengt zu
werden, in die Religiösität des Autors Betz hinein passt. Der Autor
erschafft sich seine Bettina von Arnim, indem er alles loslöst von ihr,
was nicht seinem Konzept entspricht. Diese Person ist dann aber nicht
mehr Bettina, sondern nur ein verkürztes und idealisiertes Irgendwas des
Religionspädagogen Betz.
Dieses Buch sollte man also eher nicht als
Einstieg und zum Kennenlernen von Bettina von Arnim und ihren Schaffen
lesen, sondern besser zu den Originalwerken dieser außergewöhnlichen,
vielschichtigen und beeindruckenden Frau greifen.
(31.07.2010)