Über
den Autor:
- 1939-1986, deutscher Autor
- geboren in den von Deut-
schland besetzten polnischen Gebieten, kam die Familie nach Kriegsende nach
Bran- denburg
- 1955 nahm er eine Maurer- lehre auf und arbeite ab 1958
als Requisiteur am Theater
- 1965/66 Srudium am Lite- raturinstitut Leipzig
-
danach Arbeit als Schrift- steller
Horst
Bastian
Gewalt und Zärtlichkeit. Dritter Roman
Roman
Der
dritte Teil des Roman-Zyklus, erschienen 1981 im Verlag Neues Leben
(DDR), beschäftigt sich mit der Zeit wenige Wochen vor dem 13.
August 1961 und die Jahre danach. Horst Bastian (1939-1986) befasst
sich sehr kritisch mit die- ser Epoche. Viele Menschen denken, dass
die Literatur der DDR unkritisch gegenüber dem eigenen Land war
und das kritische Äußerungen nicht verbreitet wurden, aber:
dieser Roman zeigt, dass dem durchaus nicht per se so war.
Auch in
diesem dritten Band der Reihe geht es um Max Spinnt, dem Jungen aus
Bruch, der nun als FDJ-Funktionär hauptamtlich arbeitet, und dessen
Familie, die kleine Frau Spinnt, dem Reiter, Max' großer Liebe,
Karin, die aber mit einem anderen verheiratet ist und so weiter. Eingebettet
aber alles in eine Rückschau auch auf die Gesellschaft in der DDR
jener Jahre.
Der Reiter heiratet endlich die kleine Frau Spinnt,
die Mutter von Max. Karin fährt die Hochzeitskutsche ins Dorf.
Am Nachmittag, während alle beim Feiern sind, verunglückt
der Sohn von Karin und ihren Mann bei einem Unfall mit einem Traktor
tödlich. Karin stürzt in eine Krise. Ihre Reaktion: Flucht
nach Hamburg. Es ist wenige Wochen vor dem 13. August 1961. - Max erfährt
von Karins Flucht in den Westen. Er reist in die BRD, will Karin zurückholen.
Aber noch bevor er ihr dort begegnet, ist der Morgen des 13. August.
Er erfährt über die westlichen Medien, dass die DDR-Füh-
rung die Grenze begonnen hat dicht zu machen. - Ad hoc muss er zurück
nach Hause. Aber wie? - Er reist illegal in die DDR ein, indem er im
Norden Berlins über dort einen noch offenen "grünen Streifen"
in die DDR eindringt. Von den Kampfgruppen wird er gestellt und landet
in Untersuchungshaft. ...
Der Autor ist Kommunist, parteiisch. Aber:
er ist nicht unkritisch. Auch nicht gegenüber diesen Ereignissen
jener Zeit. So liest man in den Roman zB Stellen, wie:
"Aber
unmittelbar an der Grenze, im Zentrum der Stadt, hatten ihn einzelene
Episoden tief berührt, ja erschüttert: winkende, rufende,
weinende Menschen vor und hinter der Postenkette, Junge und Alte, Kinder,
Männer und Frauen. Zerrissene Familien ab heute, behinderte, vielleicht
gar gesprengte Freundschaften. Ehrliche Trauer. Wirklicher Schmerz."
Oder
zum gesellschaftlichen System Sozialismus:
"Doch jedes Jahr
in den Zeitungen vermerkt man uns Hunderte von Helden - hohe Tiere und
davon sehr viele. Regierung und Funßjonäre, auch Arbeiterfiteranen,
wobei ich mich frag, sind das solche wie ich, ich kenn nämlich
keinen, nun ja, ich bin nicht viel rumgekommen, und plötzlich,
Max, tun mich schlechte Gedanken bedrängen, böse Gedanken:
die Hohen, die ehren sich gegenseitig, gib heute du mir, geb morgen
ich dir. Friher war es so iblich, gewiß - gerade darum tut es
mir weh. Schöne Absichten habt ihr, wirklich sehr gut, nur tut
ihr die Menschen zu häufig verletzen - die ist die Mehrzahl von
der, nicht wahr-, seid ihr zu oberflächlich, würdigt sie nicht
genügend, seid zu sehr beschäftigt mit Zahlen und zu wenig
mit euch. [...] Sozialismus nicht wahr, braucht Menschenliebe zu allererst.
Ohne Liebe wird er verkümmern wie ein Baum ohne Regen."
Der
Roman bietet viel: die ganze Palette von Gewalt und Zärtlichkeit.
Ein Roman, der meines Erachtens auch heute noch sehr lesenswert ist.
Und das Buch ist auch ohne Vorkenntnis der anderen beiden ersten Bände
verständlich und daher auch einzeln lesbar, da es eine entsprechende
Einführung innerhalb des ersten Kapitels gibt, sodass man die
Zusammen- hänge und Personen entsprechend kennt.
(9.08.2010)
- Gewalt
und Zärtlichkeit. Erster Roman (1974, Roman)
- Gewalt
und Zärtlichkeit. Zweiter Roman (1974, Roman)
- Gewalt
und Zärtlichkeit. Dritter Roman (1981, Roman)