Über
den Autor:
- 1937-1997, deutsch -jü- discher Schriftsteller
-
geboren in Polen
- ab dem 5. Lebensjahr
wuchs er als KZ-Insasse auf
(Ravensbrück, Sachsenhau- sen, Königs-Wusterhausen)
- nach
der Befreiung zog fand ihn sein Vater wieder und sie siedelten 1945 in die
sowjet. Zone von Berlin über
- 1957 Beginn eines Philoso- phie-Studiums
und Eintritt in die SED
- 1960 aus politischen Grün- den von der
Uni religiert, wird er freier Schriftsteller
- 1962 wird er fest angestell-
ter Drehnuchautor bei der DEFA
- 1968 entstand "Jakob der Lügner",
dass aber erst 1974 verfilmt wurde und für den Oscar nominiert wurde
-
1976 wird er aus der SED ausgeschlossen
- 1977 erhält er von den
DDR-Behörden die Geneh- migung seinen Wohn- und Ar- beitssitz in die
BRD zu verle- gen
- 1986 erfindet er die ZDF- Serie "Liebling Kreuzberg"
-
seit 1995 litt er an Darm- krebs und starn 1997 daran
Jurek
Becker
Irreführung der Behörden
Roman
Dieser Roman, der zweite von Jurek Becker (1937-97), erschien erstmals 1973 im Hinstorff Verlag Rostock.
1959 - Gregor Bieneck studiert in Ost-Berlin Jura. Allerdings tut
er dies widerwillig. Vielmehr will er Schriftsteller wer- den. Er hat auch
jede Menge Ideen, aber diese Ideen werden von allen Seiten belächelt
und bei Verlagen scheitert er mit ihnen. Seine Freundin macht ihn
deutlich, dass es ohne Kompromisse keinen Erfolg geben wird. Nachdem er
das Studi- um aufgegeben hat und seine Freundin heiraten will, wird ihm
klar, dass er nun einen Weg finden muss, von der Schrei- berei leben zu
können. "Irreführen der Behörden", wird sein Motto. Des Erfolges und
Geldverdienens Willen passt er
sich an, schreibt Verlagen, Fernsehen und
Co das, was sie haben wollen. Er selbst bleibt dabei aber zunehmend auf
der Strecke. Erst Jahre später, inzwischen angesehen und auch für
DDR-Verhältnisse gut situiert, stellt er fest, dass nicht er die
Behörden irreführte, sondern stattdessen er der Irregeführte ist. Was
aber nun? ...
Dieser Roman erschien während einer kurzen
kulturpolitischen Frühlingsepoche der DDR. Die DDR strebte nach
inter- nationaler Anerkennung und wollte sich, als Gastgeber der X.
Weltfestspiele der Jugend und Studenten, kulturell und geistig offen
präsentieren. Becker nutzte diese Phase punktgenau für dieses Werk, dass
sich mit der Kulturpolitik und auch der Zensur kritisch
auseinandersetzte. Dieser "Kultur-Frühling" dauerte aber nicht lange.
Bereits 1976 wurde der kritische Liedermacher Biermann ausgebürgert,
Reiner Kunze aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen und
Becker, wegen seiner Kritik daran, aus der SED rausgeworfen. 1978
verließ Becker, mit Genehmigung der Behörden, die DDR. Er erhielt ein
Dauervisum mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für das sogenannte NSW
(Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet). In der BRD wurde er dann als
Autor der ZDF-Anwaltsserie "Liebling Kreuzberg" bekannt.
(Archiv)