Über
den Autor
- 1917-1985, deutscher Autor
- nach dem Abitur 1937
Buchhändlerlehre
- 1939 Beginn Studium Germanistik und klassische
Philologie, erster Roman
- wird wenige Monate später eingezogen
und bleibt bis zu amerikanischer Kriegsgefan- genschaft 1945 Soldat
-
1945 erster Nachkriegsroman, 1947 vor allem Kurzgeschichten
- Nobelpreis
für Literatur 1972
Heinrich
Böll
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Erzählung
Der Untertitel dieser 1974 erschienenen Erzählung Bölls (1917-1985)
lautet: "oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann".- Und
genau um diese Frage geht es in diesem Werk.
Warum wird aus
einer jungen Frau wie Katharina Blum, einer hübschen Haushälterin, die
sich im Laufe der Jahre durch Sparsamkeit und etwas Glück auch etwas
Wohlstand leisten kann, eine Mörderin?
Katharina verliebt
sich in einen jungen Mann, Ludwig Götten, der von der Bundeswehr
desertierte und außerdem wegen Mordes und Bankraub gesucht wird. Dass er
ein Deserteur ist, weiß sie; von dem anderen aber nichts. Sie verhilft
ihm
zur Flucht, als die Ermittler zugreifen wollen. Deshalb gerät die
junge Frau ins Fadenkreuz der Po- lizei und die ZEI- TUNG macht aus ihr
daraufhin eine Gangsterbraut, verbreitet Halb- und Unwahrheiten über sie
und verfälscht Tatsachen sowie Aussagen.
Katharina ist all dem
nicht gewachsen. Besonders nicht, dass ihr Leben verfälscht in der
ZEITUNG breitgetreten wird. Sie tötet den ZEITUNGsjournalisten Tötges,
der all die Berichte verfasste und stellt sich der Polizei.
Im
Mittelpunkt der Erzählung steht die Macht der Medien und wie sie eine
junge Frau mit heiter-bescheidenen Wesen zugrunde richten, ihr alles
nehmen. Und auch all die Menschen aus ihrem Umfeld, die zu ihr stehen
und ihr
Halt geben, geraten ins Visier der Sensationspresse.
Böll klagt an, wie gewisse Medien vorgehen. Er spricht
diesbezüglich Klartext. - Was aber weitestgehend außen vorbleibt, ist
die Frage, warum ein derartiger Schmieren-Journalismus überhaupt seinen
Platz in der Medienlandschaft haben kann. Gerade diese Art miese Presse
verkauft tagaus, tagein die meisten Zeitungen. - Die Ursachen liegen im
Gesellschaftssystem selber, in dem Katharina lebt und in dem wir leben.
Böll, der 1972 den Literatur-Nobelpreis erhielt, hat da nichts
entgegenzusetzen. Er klagt an, geht aber nicht der Frage nach den
Ursachen dieses miesen Journalismus nach. Leider!
(Archiv)