Über
den Autor
- deutscher Autor, 1898-1956
- studierte Naturwissenschaf-
ten, Medizin und Literatur, brach nach zwei Jahren aber aus gesundheitlichen
Gründen ab
- erste eigene Werke veröf- fentlichte er bereits
mit 16 Jahren
- Militärkrankenwärter im Ersten Weltkrieg
-
in der Novemberrevolution war er Mitglied des Augs- burger Arbeiter- und
Solda- tenrats
- 1919-21 Forsetzung des Studiums
- Brecht war überzeugter
Kommunist, trat aber nie in
die KPD ein
- stand bereits 1923 auf
Platz 5 der schwarzen Liste der Nationalsozialisten
- er ging einen Tag
nach dem Reichstagsbrand ins Exil
- 1948 kehrte er nach Deutschland in
die sowjeti- sche Besatzungszone zurück
- am 1.09.1949 nahm das
"Helene-Weigel-Ensemble" (das spätere Berliner Ensem- ble
unter Brecht/Weigel) den Spielbetrieb auf
- Brecht verfasste vor allem
Dramen
Bertolt
Brecht
Leben des Galilei
Drama
Das Stück, von Brecht 1938/39 im dänischen Exil verfasst, ist in mehrerer Hinsicht ein zum nachdenken anregendes Werk.
1.)
Die Bildebene, die Auseinandersetzung Galileis mit der Inquisition, ist
so dargestellt, dass sie leicht lesbar, verständlich und auch
unterhaltsam ist. Über diese direkte Bildebene, also das Verhalten der
handelnden Personen, kann man schon an sich selbst nachdenken.
Interessant wird es aber, wenn man die weiteren Aspekte in die eigenen
Überlegungen mit einschließt,
2.) die Auseinandersetzung des Neuen mit dem Alten und
3.) die Verantwortlichkeit des Einzelnen für sein Handeln und dessen Folgen.
Galilei
sagt in der 11. Szene: "... Ich habe ein Buch geschrieben über die
Mechanik des Universums, das ist alles. Was daraus gemacht oder nicht
gemacht wird, geht mich nichts an."
Schon diese Zeilen geben Anlass
zum Nachdenken. Ist es so einfach? Sind wir nicht auch verantwortlich
dafür, was un- ser Handeln für Folgen hat?
Aber: Eine entscheidende
Frage, die Brecht aufwirft, ist auch die nach dem Umgang mit Forschung
und Erkenntnis. Wird sie gebraucht, nicht gebraucht oder auch
missbraucht? Wann wird für wen Wissen zu einer Gefahr?
Galileis
Entdeckungen waren doch letztlich für die Kirche eine Gefahr nicht nur
deswegen, weil sie neue Erkenntnisse über die Planetenkonstellationen
und - bewegungen enthielten, sondern sie waren eine Gefahr deswegen,
weil sie die Macht des bestehenden Systems an sich in Frage stellten.
Die Kirche fürchtete um ihre Stellung.
Brecht schrieb dieses Stück am
Vorabend des Zweiten Weltkrieges und wenige Jahre vor dem grauenhaften
Einsatz der Atombombe durch die USA gegen die japanischen Städte
Hiroshima und Nagasaki. Eine Zeit, in der die Machtverhältnisse in der
Welt brutalst umkämpft waren.
Nun könnte man sagen: "Ach naja, das
ist doch Schnee von gestern. Was soll das Ganze heute noch?" - Ein Blick
in die aktuelle Zeitung oder Nachrichten gehört und man bekommt
dutzende Gründe geliefert, warum man auch heute dieses Stück lesen und
auch darüber nachdenken sollte.
(10.06.2010)