Über
den Autor
- geb. 1971, deutscher Schriftsteller und Journalist
-
arbeitet in der Programmdi- rektion des Rundfunksenders 104,6 RTL
- studierte
Jura
- seit 2006 ist er Autor von Psychothrillern
- wie der Autor
am 22.07.10 via twitter® bekanntgab, hat er mit den Arbeiten an der
Fortsetzung des Romans "Der Augensammler", der dann "Der
Augenjäger" heißen soll, begonnen
Sebastian
Fitzek
Die Therapie
Psychothriller
Zweifellos: Eine total spannender Psychothriller-Story von der ersten
bis zur letzten Seite. Die Geschichte selber ist durchdacht, rahmenmäßig
gut aufgebaut, Fachwissen aus dem psychiatrischen Bereich sehr gut
recherchiert. - Aber: Es gab auch einiges, was mir weniger gut,
inbesondere was die romantechnischen Fragen betrifft, gefiel.
Bevor ich dazu komme aber kurz ein paar Worte
zur Story: Die 12-jährige Tochter von Starpsychiater Dr. Viktor La- renz
verschwindet spurlos. Trotz großem Medienaufwand und intensiver Suche
findet sich absolut keine Spur von ihr. Erst vier Jahre später lüftet
sich langsam das Geheimnis um das Verschwinden des Mädchens. - Und
dieses Heben des Schleiers erlebt der Leser mit.
Klappentexte von
Büchern haben vor allem die Funktion Leser zu werben, zu animieren das
Buch zu kaufen und es natürlich auch zu lesen. Sie führen aber, wie bei
diesem Buch, den Leser manchmal auch in die Irre, wenn er den
Klap- pentext als eine Art kurze Einführung nimmt und unter diesem Aspekt
das Lesen beginnt.
Man wird dadurch vorjustiert, richtet den Fokus
in eine bestimmte Richtung. Und es kann passieren, dass man dadurch den
Blick für die Details verliert, die eigentlich klar schon auf die Lösung
hindeuten.
Verlagstechnisch und auch vom schriftstellerischen Ansatz
her völlig legitim und in Ordnung. Und auch erfolgreich, wie man immer
wieder erlebt. Denn wenn man vom Klappentext ausgehend an die Lektüre
herangeht, dann sind viele Wen- dungen und das Buchende überraschend. -
Aber auch nur dann.
Auch ich lasse mich, dass will ich gar nicht
leugnen, beim Buchkauf u. a. vom Klappentext beeinflussen. Wenn es aber
an die eigentliche Lektüre geht, dann schaue ich nicht noch einmal in
diese Richtung, sondern will die Geschichte aus dem Buch selber
erfahren. Und da entwickelt sich dann oftmals ein ganz anderer
Blickwinkel auf die Story, als der Klappen- text suggerierte.
Ich ließ
mich also nicht in die Richtung leiten, die der Klappentext anvisierte,
nämlich in Richtung Anna Spiegel als wich- tige Handlungsfigur, sondern
machte mir bereits, als ich auf Seite 54 angekommen war, eine Notiz,
dass ich diese Figur für eine Halluzination des Psychiaters selber
ansehe. Und dieser Gedanke verfestigte sich dann in der Folge immer
mehr. Einmal darauf gestoßen, wirkt die Story dann natürlich auch anders
auf mich als Leser, als wenn ich Anna Spiegel als re- al annehme und so
ihre Aussagen lese und ihr Handeln betrachte. - Und so löste sich der
Schleier bei mir weit vor dem Ende. Es entwickelte sich logisch
konsequent dann recht schnell bei mir die Ansicht der Dinge in der Form,
wie sie am Ende auch zutrafen. - Es ist aber dennoch interessant
gewesen weiterzulesen, denn mich interessierte wie der Autor den Kreis
am Ende schriftstellerisch schließt.
Ein weiterer Kritikpunkt: die
Erzählperspektive. - Das gesamte Buch ist in der Form geschrieben, dass
ein personaler Erzähler berichtet. Der Romanaufbau hat zwei
Handlungsebenen, die sich abwechseln. Es gibt kurze Szenen in einer
Weddinger psychiatrischen Klinik, wo Dr Larenz, der Starpsychiater, als
Patient liegt, und lange Handlungsstrecken mit der Nordseeinsel Parkum
als Handlungsort. Durchgehend ist ein personaler Erzählstil in der
Draufsicht-Form, also immer in der dritten Person die Handlungsfiguren
betrachtend. Die Kapitel, die auf Parkum spielen, sind aber, laut den
Kapiteln, die in der Klinik spielen, direkte mündliche Berichte von Dr.
Larenz an Dr. Roth, den behandelnden Psychiater. Daher müssten die
Parkum-Kapitel eigentlich in der Ich-Form und -Perspektive präsentiert
werden, was aber leider nicht an dem ist. - Auch in der Reflektion des
Buches erkannte ich keinen schriftstellerischen Gewinn für eine
eventuelle freiwillige Wahl zu dieser Nicht-Wahl der Ich-Perspektive
durch Fitzek.
(17.06.2010)