Über
den Autor
- 1883-1924, deutschspra- chiger
Schriftsteller
- entstammt einer jüdi- schen Familie
- 1901 Abitur
-
ordnete sich seinem ty- rannischen Vater unter
- 1901-1906 Studium -
erst Chemie, dann wech- selte er zu Jura und schließlich zu Germanistik
und Kunstgeschichte
- arbeite zum Broterwerb als Versicherungsangestell-
ter
- bereits in der Jugendzeit erste schriftstellerische Arbeiten, die
allerdings verschollen sind
- Hauptthema: sein ausge- prägter Vater-Sohn-Konflikt
-
1917 nächtlicher Blut- sturz, Lungentuberkulose
- Kafkas Gesundheitszu-
stand wurde von Jahr zu Jahr schlechter
- wurde in Prag, während
der k.u.k.-Monarchie gebo- ren und lebte nach dem Ersten Weltkrieg in der
neuentstandenden Tsche- choslowakei
Franz
Kafka
Das Urteil
Erzählung
Die
Erzählung "Das Urteil" erschien 1913 zum ersten Mal in
dem von Max Brod herausgegebenen "Jahrbuch der Dicht- kunst Arkadia"
und als seperater Druck, auf Kafkas (1883-1924) Wunsch, 1916 innert
der Buchreihe "Der jüngste Tag".
Georg Bendemann ist
ein junger, aufstrebender, erfolg- reicher Kaufmann. Seine Geschäfte
laufen sehr gut. Das Fami- lienunternehmen, dass er seit dem Tod der Mutter
führt, schreibt gute Zahlen. Und auch privat scheint das Glück
ihm
hold zu sein. Hat er sich doch kürzlich mit der aus wohlhabenen
Hause stammenden Frieda Brandenfeld verlobt. Alles scheint zu passen.
- An einem Sonntag aber schreibt Georg einen Brief an seinen Freund
in Petersburg.
Und er steht vor der Frage, ob er diesen Freund
wie im- mer in den letzten drei Jahren einen nichtssagenden Brief mit
nichtssagenden Inhalt schreibt oder ob er von den Erfolgen und
Veränderungen in seinem Leben berichtet.
Er
tut diesmal letzteres und sucht danach seinen Vater in dessen kleinem
Zimmer auf und erzählt seinen Entschluss. Sein Vater bezweifelt,
dass Georg einen Freund in Petersburg habe. Georg denkt, dass sein
Vater sich nur an ihn nicht er- innern könne und erzählt von
dessen letzten Besuch bei ihnen. Aber der Vater wusste wer gemeint war.
Er stellte nicht in Frage, dass es jemanden in Petersburg gibt, den
Georg "Freund" nennt; er stellte in Frage, dass Georg diesen
Menschen seinen Freund nennt, diesen Menschen, den er jahrelang vernachlässigt
und belogen hat. Genau wie Georg jahrelang seinen Vater vernachlässigt
und sich selbst belogen hat. Und alles nur des eigenen Erfolges wegen.
--- Nun bekommt er die Quittung von seinem Vater, des Vaters Urteil
...
(Archiv)