Über
den Autor
- KuBa = Kurt Barthel, deut- scher Autor, 1914-1967
-
1928 bis 1932 Ausbildung zum Dekorationsmaler
- 1933, kurz vor dem Partei-
verbot, Eintritt in die SPD,
Emigration in die Tschecho- slowakei
-
ab 1934 schreibt er für die Prager "Rote Fahne"
- 1939
Flucht nach England
- in England tritt er der Exil- FDJ bei
- 1940
Internierung in England
- 1946 Rückkehr nach Deutschland in die
SBZ
- Eintritt in die SED
- 1946-48 Redakteur beim Dietz-Verlag
-
ab 1949 freischaffender Künstler, daneben verschie- dene politische
Funktionen
- ab 1956 Chefdramaturg des Volkstheater Rostock
- stirbt
am 12.11.1967 an Herzversagen während eines Gastspieles des Rostocker
Theaters in Frankfurt a. Main an Herzversagen - während der Veranstaltung
kam es zu Tumulten durch Mitglieder
des westdeutschen Sozialisti- schen
Deutschen Studenten- bundes (SDS), denen das Programm zu moderat war - der
Tod KuBas trat aber oh- ne direkte Fremdeinwirkung ein
KuBa
Die
Legende vom Klaus Störtebeker
Erzählung
Um
Klaus Störtebeker ranken sich viele Legenden und Sagen. Nachweisbares,
woraus sich wirklich ein historisch ge- naues Bild flechten ließe,
gibt es aber nur sehr wenig. Eines ist aber offensichtlich: der
Mann muss in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an den Küsten
von Nord- und Ostsee einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben.
Und insbe- sondere muss dieser Eindruck beim einfachen Volk ein sehr
guter gewesen sein, betrachtet man die Fülle an wohlwollen- den
Geschichten um seine Person.
Auch in der Literatur bekam Störtebeker
seinen Platz. Lässt doch die fragwürdige tatsächliche
Befundlage großen Spiel- raum für dichterisches Schaffen
rund um diesen Mann zu.
KuBa, mit vollem Namen ausgeschrieben: Kurt
Barthel (1914-1967), schrieb 1959 eine dramatische Ballade auf Klaus
Störtebeker, die Grundlage der Aufführungen zu den Störtebeker-Festspielen auf der Naturbühne
Ralswieck wurde, und verfasste 1960 die hier vorliegende Erzählung
"Die Legende vom Klaus Störtebeker", die wiederum auf
die dramatische Ballade aufbaut, sie in Prosaform darstellt. Erschienen
ist diese Erzählung 1960 im Hinstorff Verlag Rostock.
KuBa erschafft
mit seinem Störtebeker einen durchaus möglichen, aber weder
ist bis heute tatsächlich geklärt, wo Klaus Störtebeker
herstammte noch wer er war oder selbst wann er starb oder wie er starb.
Es ist also eine Legende und kein Tatsachenbericht, was KuBa hier bietet.
Die
Geschichte KuBas beginnt auf Gut Ruschwitz auf Rügen. Ein junger
Mann namens Klaus, ein Bauernjunge des Guts- herrn, vergreift sich an
einem Krug Starkbier. Starkbier ist aber nur für die Herrschaft
da und deshalb wird er zu vier "Vater unser", die eine Magd
namens Trebele aufsagen soll, verurteilt. Trebele ist verliebt in Klaus,
will die Folter so schnell wie möglich beenden und spricht die
Gebete zu schnell. Der Vogt will sie nicht gelten lassen. Aber der Gutsherr
erläßt ihr das letzte. Klaus soll sich für die Gnade
bedanken. Sein Dank: er erschlägt den Gutsherrn und den Vogt und
flieht gemeinsam mit Trebele. Sie werden von Goedeke Micheel und seiner
Schiffsbesatzung aufgegriffen. Erst schweigt das aufgegriffene Paar,
aber dann erzählt Trebele Meister Goedeke, der für den Gewandmacher
Sarnow aus Stralsund fährt, die wahre Geschichte. Goedeke ist beeindruckend
und will den beiden helfen. Seinem Chef gegenüber gibt er die beiden
als Kinder seiner Schwester aus. Trebele kommt in das Haus der Sarnows,
wo sie ausgebildet werden soll, und Klaus wird Schiffsknecht bei Goedeke
Micheel. - In Stralsund kommt es zu tumultartigen Auseinandersetzungen
zwi- schen den Patriziern und den aufstrebenden Handwerkszünften.
Dabei gibt es einen hochrangigen Toten auf Seiten der Patruier. Die
Situation droht zu eskalieren. Die Patrizier bekommen Angst. Der Täter,
ein Gefolgsmann Sarnows, wird zwar eingesperrt, aber Sarnow zum Bürgermeister
ernannt. --- Erneut eskaliert es aber, als die Patrizier den Gefangenen
ermorden. Es kommt zum Aufruhr, die Patrizier fliehen. Störtebeker
schlägt im Rat von Stralsund ungefragt vor, dass
man die Geflohenen
verfolgen solle. Er wird aber zur Ruhe gebracht. Sarnow setzt auf den
demnächst stattfindenden Hansetag zu Rostock und das dort die nach
Lübeck geflohenen Stralsunder Patrizier verurteilt und ausgeliefert
werden. Es kommt aber anders herum. Der Führer der Stralsunder
Patrizier klagt auf dem Hansetag Sarnow an. Sarnow wird verurteilt und
hingerichtet. Seine Schiffe sollen beschlagnahmt werden und die Besatzungen,
wozu auch Goedeke und Störtebeker gehören, festgesetzt werden.
Goedeke taucht unter. Klaus und der Rest der Besatzung werden verhaftet
und sollen mit Sarnows Schiff zurück nach Stralsund gebracht
und dort gerichtet werden. Klaus und seine Gefolgsleute bringen das
Schiff aber unter ihre Kontrolle und schicken die Wachleute geteert,
gefedert und vertonnt nach Rostock. Er schwört Rache für Sarnow.
Goedeke Micheel wird zwar von den Rostocker Wachleuten schließlich
gefasst, aber Ros- tocks Bürgermeister schließt einen Pakt
mit ihm. Er erhält einen Kaperbrief. - Kurz darauf treffen sich
Klaus und Goe- deke wieder. Klaus steht inzwischen unter dem Schutz
der dänischen Königin, da sie ebenfalls eine Fehde mit Stralsund
hat. - Obwohl auf verschiedenen Seiten stehend, beschließen die
beiden Kapitäne künftig gemeinsame Sache zu machen. Ihre Beute
lassen sie den Armen zukommen. Die Likedeeler, die Gleichteiler, werden
ins Leben gerufen. - Die Hanse hingegen macht nun Jagd auf sie.
Von
den historischen Fakten her mag wenig wahr an dieser Legende sein, aber:
den guten Ruf, den Störtebeker unter den einfachen Menschen hatte,
den muss er sich erarbeitet haben irgendwie. Und das war sicher nicht
möglich, wenn er nur zu seinem Eigennutz gekapert und geplündert
hätte. Von daher erscheint mir dieser Aspekt, der Likedeeler-Gedan-
ke, das brüderliche und gerechte Aufteilen des Vorhandenen unter
den Bedürftigen, der von KuBa in den Mittelpunkt
der Erzähling gestellt wird,
sehr glaubwürdig an der Legende um diesen Piraten.
Mag die Story
um KuBas Störtebeker selbst erfunden sein, KuBa zeichnet in dieser
Erzählung ein historisch getreues Abbild der damaligen allgemeinen
Situation, der Strukturen der Gesellschaft und der Sitten und Wertvorstellungen.
Und dies alles erfolgt in einem gut lesbaren Stil.
(14.08.2010)