Über
den Autor
- 1903-1989, belgischer Autor
-
Lehre als Buchhändler, wurde aber nach sechs Wochen entlassen
-
ebenso erfolglos anschließende Konditor- Lehre
- danach als Journalist
tätig
- 1920 erster Roman
- 1922 Übersiedelung nach Frankreich
-
allein zwischen 1925 und 1933 verfasste er unter 22 Pseudonymen etwa 200
Bücher - Trivialliteratur
- erfolgreichste Figur: Kommissar Maigret,
der in über 80 Romanen ermittelte
Georges
Simenon
Maigret
hat Angst
Kriminalroman
Jules
Maigret ist ein vielbeschäftigter Polizeibeamter gewesen. In über
80 Kriminalromanen hat der pfeiferauchende Si- menon-Kommissar aus Paris
ermittelt. Der hier vorliegende, "Maigret hat Angst", stammt
aus dem Jahre 1953, wo er in französischer Sprache veröffentlicht
wurde.
Aber eigentlich ist dies gar kein Fall des Kommissars Maigret.
Er ist eher zufällig nur dabei: Auf der Rückreise von einem
internationalen Polizeikongress in Bordeaux macht er einen Zwischenstopp
in Fontenay um seinen alten Freund und ehe- maligen Studienkameraden
Chabot, der jetzt Untersuchungsrichter in der Kleinstadt ist, ein paar
Tage zu besuchen.
Schon im Zug dorthin wird er von einem Einwohner
erkannt und auf merkwürdige Weise begrüßt. Merkwürdig
deshalb, weil der Mann im Zug denkt, dass er wegen eines Mordfalles,
der die Stadt in Atem hält, dorthin reist. In Fontenay sel- ber,
grade eingecheckt im Hotel, wird er von einem Journalisten und dem örtlichen
Polizeikommissar empfangen. Ob- wohl Maigret erklärt, dass er rein
privat hier sei, denken die anderen, dass er wegen der Morde, denn inzwischen
sind es zwei, gekommen sei. - Als Maigret am Abend bei seinem Freund,
dem Untersuchungsrichter, zu Gast ist, klingelt plötz- lich das
Telefon. Ein dritter Mord. Maigret begleitet seinen Freund zum Tatort.
Und natürlich kann sich Maigret nicht aus den Fall raushalten.
Insbesondere nicht, weil die Bevölkerung große Hoffnung in
ihn setzt, dass er das Geheimnis um die Morde lüftet. Dem Untersuchungsrichter
und der örtlichen Polizei trauen sie nämlich nicht, weil die
enstcheidenden Leute der Kleinstadt einen Klüngel bilden, dem sie
misstrauisch gegenüber stehen.
Es ist ein Krimi ohne viel Schnickschnack,
unterhaltsam, flüssig lesbar und dennoch spannend. Was ich besonders
inte- ressant fand, sind die detailierten Milieu-Studien zu den Verhältnissen
in der Stadt, also zu den unterschiedlichen Schich- ten der Bevölkerung.
Der Roman spielt nicht nur in einer bestimmten Schicht, sondern umfasst
die gesamte Bandbreite der Einwohner. Es ist in dem Sinne nicht nur
ein Kriminalroman, sondern gleichzeitig auch ein Gesellschaftsspiegel,
die Verhältnisse in einer französischen Kleinstadt der 1950er
Jahre betreffend.
(6.08.2010)