Über
die Autoren
- schwedisches Autorenteam von Kriminalromanen
- Maj Sjöwall,
schwedische Schriftstellerin, geb. 1935
- sie studierte Journalismus
-
lernte 1961 Per Wahlöö kennen, den sie 1962 heiratete
- Per
Wahlöö, 1926-1975, studierte Geschichte und arbeitete anschließend
als Journalist
- beide sind bekennende Marxisten
Maj
Sjöwall / Per Wahlöö
Die Tote
im Göta-Kanal
Kriminalroman
"Diie Tote im Göta-Kanal", im Original 1965 und in deutscher Sprache
erstmals 1968 erschienen, ist ein sehr guter Kri- miklassiker. Was mir an
diesen alten Krimis immer wieder gefällt: auch ohne
HighTech-Schnickschnack gelang es den Ermittlern die Mörder zu fassen.
Oft sind diese Klassiker, was die Analyse- und Kombinationsfähigkeit der
gegebenen Indizien und Fakten betrifft, ausgereifter als viele der
heutzutage in Masse in den Läden zu findenden Kriminalgeschich- ten.
Eine
erwürgte und vergewaltigte Frau wird aus einer Schleuse geborgen. Sie
lag wohl nur sehr kurze Zeit im Wasser und deshalb ist die Hoffnung
groß, dass man bei der Identifizierung und der anschließenden Tätersuche
recht schnell voran kommt. Aber: weit gefehlt. Die Ermittlungen kommen
überhaupt nicht voran.
Erst nach mehr als drei Monaten gelingt es die
Leiche zu identifizieren und dies auch eher per Zufallstreffer, statt
durch zielgerichtete Ermittlungsarbeit. - Und wieder die Hoffnung den
Fall nun schnell zu lösen, denn die Polizei geht davon
aus, dass der
Mörder auf dem Schiff, auf dem auch die Ermordete zuvor reiste, zu
finden sein muss. Man geht die Besatzungs- und Passagierliste durch und
arbeitet diese ab. Einen Mörder kann die Polizei dabei aber nicht
ermitteln. Irgendwer muss aber die Tat begangen haben! Martin Beck, der
die Ermittlungen leitet, ist am verzweifeln. Aber er gibt nicht auf. Und
über ein halbes Jahr nach der Tat stossen er und seine Teamkollegen
endlich auf eine heiße Spur.
In diesem Roman wird das Ermittlerteam
um Martin Beck eingeführt, dass in den folgenden Jahren in einem Zyklus
die- ses schwedischen Autorenteams noch einige Fälle zu lösen hat. Die
Reihe besteht aus insgesamt zehn Bänden. Die Autoren hatten die
Intention mit dieser Krimireihe die Rolle der Kriminalität und ihre
soziale Funktion in der Gesellschaft zu analysieren und auch damit die
moralischen Lebensformen, der verschiedenen Arten der Figuren, offen zu
legen, wie Per Wahlöö 1967 sagte.
Es ist also mehr als ein simpler
Krimi. Keine Trivialliteratur. Es steckt mehr drin, wenn man sich mit
der Zeichnung der Charaktere in diesem Romanen, auch in diesem
speziellen, auseinandersetzt.
Auch wenn die Figuren natürlich
individualisiert sind, so stehen sie oftmals nicht nur für sich selber,
sondern stellvertre- tend jeweils für eine ganz besondere Facette der
Gesellschaft. Als Beispiel die Szene wo Beck einen alten Oberst, der
Passagier auf dem Schiff, wo auch die Tote mitreiste, war. Eine relativ
kleine Szene, auch nicht unbedingt von entschei- dender Bedeutung für den
Fall, aber dafür ein typisches Abbild eines Teil der Gesellschaft, die
diese Verbrechen, um die es in den Krimis geht, hervorbringt. Es wirft
Fragen nach dem "Warum geschieht so etwas?" auf und hebt sie aus der
Individualebene in die gesellschaftspolitische.
Ein Roman, den ich sehr empfehlen kann.
(12.06.2010)