Über
den Autor
- 1918-2008, russischer Autor
-
studierte Mathematik und Philosophie
- Batteriechef der Roten Armee im
WK II
- kurz vor Kriegsende Ver- haftung nach § 58 wegen Spionage-Verdacht
-
bis 1953 GULAG-Haft, da- nach lebenslange Verban- nung nach Kasachstan
-
Rehabilitierung 1957
- 1970 Nobelpreis für Lite- ratur
- 1974
Ausweisung aus der Sowjetunion wegen "Archi- pel GULAG"
- erneute
Rehabilitierung 1990
- 1994 Rückkehr nach Russland
Alexander
Solschenizyn
Ein
Tag des Iwan Denissowitsch
Erzählung
Solschenizyn (1918-2008) stellt in dieser detailreich gestalteten
Erzählung einen Tag im Leben eines Sträflings in einem GULAG-Lager des
Jahres 1951 dar. Ein Tag wie jeder andere in einem solchen sibirischen
Sonderlager Stalins. Ein Tag, der zeigt wie unmenschlich es in diesen
Gefangenenlagern zuging.
Der Autor greift dabei auf eigenes
Erleben zurück, verbrachte er selbst 8 Jahre in solchen Lagern,
verurteilt nach Artikel 58 des russischen Strafgesetzbuches (ein
Gummiparagraph, den Stalins Schergen nutzten, um politisch nicht genehme
Menschen in Lager zu stecken bzw durch Verbannung oder ähnliches vom
Leben auszugrenzen).
1962 erschien dieses Erstlingswerk des
Autors in der sowjetischen Literaturzeitschrift "Nowy Mir", nachdem sie
durch den damaligen Staatschef der UdSSR, Nikolai Chruschtschow,
freigegeben wurde. Dies zeigt wie stark selbst die sowjetische
Staatsführung interessiert daran war die Verbrechen der Stalin-Diktatur
aufzuarbeiten. Und es spricht auch für die Authentizität der
Darstellung.
Im Westen (USA, BRD, NATO-Staaten u. ä.) wurde
dieses beeindruckend geschriebene und betroffen machende Werk gern
herangezogen, um die Unmenschlichkeit im Umgang mit politisch
Andersdenekenden in den "sozia- listischen" Ostblockstaaten zu belegen.
Es wurde als willkommene Waffe für den Einsatz im Kalten Krieg gern
genutzt, besser gesagt: missbraucht. - Vor allem ist es unlauter, diese
Darstellung auf die gesamten Ostblock-Systeme allgemein zu übertragen. -
Genauso wie es undifferenziert wäre, die unmenschlichen Zustände im
amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo auf alle anderen
kapitalistischen Staaten als typisch zu übertragen.
(Archiv)