Über
die Autorin:
- 1929-2011, deutsche Autorin
- kam 1945 als Flüchtling
aus den ehemals von Deutschland besetzten polnischen Gebieten in die sowj.
Besatzungszone
- 1949 Abitur
- 1949 bis 1953 Germanistik- Studium
-
arbeitet danach als wissen- schaftl. MA beim Schriftstell- erverband
-
1955-1977 Vorstandsmit- glied des Verbandes
- 1961 erste schriftstellerische
Veröffentlichung - Moskauer Novelle
- Ausscluss aus dem Schrift-
stellerverband, weil sie die Ausweisung Biermanns kri- tisch sah
Christa
Wolf
Kassandra
Erzählung
Kassandra ist eine Figur aus der griechischen Mythologie - Tochter des
Königs von Troja, Priamos, und der Hekabe.
Sie bekam von Apollon die
Gabe der Vorhersehung, die ihr sehnlichster Wunsch einst war, als
Liebesgeschenk, wurde dann aber von dem Werbenden dazu verflucht,
nachdem sie seine Liebe zurückwies, dass niemand ihr Glauben schen- ken
wird.
Die antiken Autoren Homer ("Illias", ca. 8. Jhd. v. C.),
Aischylos ("Orestie, Teil 1: Agamemnon", 458 v. C.) und Lyko- phron
("Alexandra", ca. 190 v. C.) verarbeiteten diese Figur und den Mythos um
ihr in ihren Werken. Und auch Frie- drich von Schiller setzte ihr ein
Denkmal in einer Ballade.
Immer wurde aber Kassandra aus
Männersicht dargestellt und immer ging es nur um den Mythos um ihre
Person, aber niemals wurde die Frau selbst hinterfragt. Was bewog sie,
in einer von Männern dominierten Gesellschaft die Sehergabe anzustreben,
die eigentlich der männlichen Priesterschaft vorbehalten war? Weshalb
wollte sie mit aller Macht in damals traditionelle Männerdomänen
vordringen? Wie sah ihre innere Geisteswelt aus, nachdem sie verflucht
war?
Diese und andere Fragen stellte sich Christa Wolf (geb.
1929) und begann sich mit der Figur Kassandra auseinanderzu- setzen und
besuchte dazu die antiken Stätten. Ihre Begegnungen mit Kassandra und
wie diese Figur immer mehr von ihr Besitz ergriff, schilderte die
Autorin in vier Vorlesungen, die sie 1982 im Rahmen der
Poetik-Vorlesungen (Frankfurt am Main) hielt.. - In der Erzählung, die
1983 erschien, reflektiert Kassandra selber ihr Leben, hält Rückschau
auf ihr Dasein, während sie als Gefangene des Agamemnon in seine Heimat
verschleppt wird und ihren Tod entgegensieht.
Empfehlen möchte
ich hiermit nicht nur die Lektüre der Erzählung, sondern auch die der
vier Vorlesungen, die es in einem Extra-Band gibt..
(Archiv)