Über
die Autorin:
- 1929-2011, deutsche Autorin
- kam 1945 als Flüchtling
aus den ehemals von Deutschland besetzten polnischen Gebieten in die sowj.
Besatzungszone
- 1949 Abitur
- 1949 bis 1953 Germanistik- Studium
-
arbeitet danach als wissen- schaftl. MA beim Schriftstell- erverband
-
1955-1977 Vorstandsmit- glied des Verbandes
- 1961 erste schriftstellerische
Veröffentlichung - Moskauer Novelle
- Ausscluss aus dem Schrift-
stellerverband, weil sie die Ausweisung Biermanns kri- tisch sah
Christa
Wolf
Störfall
Erzählung
26. April 1986 - Super-GAU im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl.
Dem Menschen wird bewusst, wie wenig er die Kräfte der Natur beherrscht,
wenn sie ihm ersteinmal außer Kontrolle geraten und wie sehr diese
Nichtkontrollier- barkeit dann die Grundlagen seines Lebens akut
gefährden.
Dieses Desaster bildet den Anlass und Auslöser für
"Störfall", dass den Untertitel "Nachrichten eines Tages" trägt.
Innerhalb weniger Monate, Mai bis September 1986, schrieb Christa Wolf
(geb. 1929) dieses nachdenklich stimmende und betroffen machende Epos,
dass am ehesten in seiner literarischen Form der Erzählung zuzuordnen
ist.
Geschildert wird der Tag danach. Das erzählende Ich ist an diesem Tag gleich zwei Katatstrophen ausgeliefert.
Zum einen den Meldungen über Tschernobyl im Radio, zum anderen der Gehirntumor-Operation des Bruders.
Christa
Wolf schildert eindrucksvoll die Gefühle und Gedanken des Ichs, dass
sich der Vergänglichkeit von allem be- wusst wird. Durch die
Assoziationsketten, bestehend aus wissenschaftlichen Überlegungen und
persönlichen Erinnerun- gen, wird der Leser emotional in die
Gedankenströme einbezogen.
Es gelingt der Autorin die beiden
Erzählebenen, "Tschernobyl-Katatstrophe" und "OP des Bruders" (die
autobiografische Züge trägt), auf hervorragende Art und Weise
miteinander zu verknüpfen. Scheinbar übergangslos wechseln sie einander
ab, aber ohne dass der Leser dies als störende Leseflussunterbrechungen
empfindet, da diese Wechsel sich wie ganz selbstverständlich aus den
Gedankenketten der Erzählerin ergeben.
Unterbrochen werden die
Gedanken der Ich-Erzählerin nur durch wenige Begegnungen mit anderen
Menschen an die- sem Tag. Auffällig ist, dass dies ausnahmslos nur
weibliche Personen sind, die dabei von ihren Ängsten und Empfindun- gen
berichten.
Einfach lesenswert!
(Archiv)